Karin Ehrich; Christiane Schröder (Hrsg.):
Adlige, Arbeiterinnen und ... Frauenleben in Stadt und Region Hannover vom 17. bis zum 20. Jahrhundert (= Materialien zur Regionalgeschichte, Bd. 1), Bielefeld 1999.
Vorwort
Schon wieder eine neue Publikationsreihe? Ja, und sie beginnt mit einem Band, der für sie charakteristisch sein soll. "Adlige, Arbeiterinnen und ... - Frauenleben in Stadt und Region Hannover vom 17. bis zum 20. Jahrhundert" widmet sich einem regionalhistorischen Themenkomplex, der frauengeschichtliche Fragestellungen bis an unsere Zeit heranführt. Gilt es doch mit den "Materialien zur Regionalgeschichte" eine Lücke zu schließen zwischen wissenschaftlichen landes- und regionalhistorischen Reihen auf der einen Seite, in denen universitäre Qualifikationsschriften, wissenschaftliche Einzeluntersuchungen und Tagungsbände erscheinen, und populärwissenschaftlichen Reihen auf der anderen Seite, in denen die Heimatgeschichte oder methodische Handreichungen im Mittelpunkt stehen.
Die "Materialien zur Regionalgeschichte" werden herausgegeben vom Niedersächsischen Institut für Historische Regionalforschung e. V. in Kooperation mit dem Kommunalverband Großraum Hannover. Das Niedersächsische Institut für Historische Regionalforschung e. V. ist ein eingetragener, gemeinnütziger Verein, der 1998 entstand, um die Anfang der achtziger Jahre begonnene Tradition der heimat- und regionalgeschichtlichen Fortbildung in Niedersachsen weiterzuführen. Hinzu tritt die Aufgabe, bei den vielfältigen Vorhaben der heimat- und regionalhistorischen Forschung und Präsentation vor Ort zu helfen und einen Informationsservice aufzubauen. Der Kommunalverband Großraum Hannover ist für den Verbandsbereich (Landeshauptstadt Hannover und Landkreis Hannover) zuständig für die Regionalplanung, den Öffentlichen Personennahverkehr, die Wirtschaftsförderung und die Naherholung. Der Kommunalverband hat die Anfrage des Niedersächsischen Instituts für Historische Regionalforschung, ob er die Herausgabe dieser Schriftenreihe unterstützen möchte, positiv aufgegriffen, weil er sich durch deren Verbreitung eine Förderung des Regionalbewußtseins verspricht. Gerade bei wirtschafts- und sozialhistorischen Themen sieht er eine enge Verbindung zur Wahrnehmung seiner Aufgaben in der Öffentlichkeit. Dies wird auch bei der Themenstellung des geplanten zweiten Bandes deutlich, der sich der Bergbaugeschichte der Region Hannover widmen soll; angedacht ist ferner ein Band zur regionalen Planungsgeschichte. Die Zusammenarbeit dieser beiden Institutionen wird dazu führen, daß Themen zur Region Hannover einen Schwerpunkt der neuen Publikationsreihe bilden werden, doch sollen auch allgemeinere Aspekte aus den Bereichen der wissenschaftlichen Regionalgeschichte und der Heimatgeschichte aufgegriffen werden.
Fallweise werden die Bände der Reihe gemeinsam mit anderen Instituionen, Vereinen usw. präsentiert. Hier, beim ersten Band, ist es der Verein "750 Jahre Frauen und Hannover e. V.". Seine langjährigen wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Dr. Karin Ehrich und Christiane Schröder haben mit dem vorliegenden Buch einen Forschungsbereich erschlossen, der bisher in den allgemeinen Darstellungen zur Geschichte Hannovers und seiner Region kaum berücksichtigt wurde, obwohl die frauen- und geschlechtergeschichtliche Forschung in Hannover mittlerweile auf erste Einzelpublikationen und interessante Projekte zurückblicken kann. Frauen- und Geschlechtergeschichte hat in den letzten Jahren die Geschichtserkenntnisse wesentlich erweitert. Die Stadt und Land umfassende Erörterung der Lebens- und Arbeitsbedinungen von Frauen über einen engen Zeitraum hinaus ist freilich in der allgemeinen Geschichte ebenso wie in der Frauen- und Geschlechterforschung eher selten thematisiert worden. Im vorliegenden Band wird ein weiter zeitlicher Bogen geschlagen, der von der frühen Neuzeit bis zur jüngst erlebten unmittelbaren Vergangenheit reicht, z. B. wenn die Lebenswege von spanischen Gastarbeiterinnen und Migrantinnen aus der Türkei, die in den 1960er Jahren in die BRD kamen, bis zur Mitte der 1990er Jahre verfolgt werden. Besonders zu begrüßen ist, daß diese beiden Beiträge auch in der jeweiligen Muttersprache gelesen werden können. Insofern möge dieses Vorhaben im besten Sinne integrativ wirken und der multikulturellen Verständigung dienen.
Den Autorinnen und Autoren des Bandes danken wir für die anregenden und weiterführenden Forschungsergebnisse. Besonderer Dank gilt Dr. Karin Ehrich und Christiane Schröder, die den Band von der Konzeption bis zum Lektorat betreut haben und ohne deren Engagement dieses Buch nicht entstanden wäre.
Hannover, im Juni 1999
Siegfried Frohner
Kommunalverband Großraum Hannover
Carl-Hans Hauptmeyer
Niedersächsisches Institut für Historische Regionalforschung e. V.