Carl-Hans Hauptmeyer (Hrsg.):
Mensch - Natur - Technik. Aspekte der Umweltgeschichte in Niedersachsen und angrenzenden Gebieten (= Materialien zur Regionalgeschichte 2), Bielefeld 2000.
Vorwort
Unsere heutige Umwelt ist Ergebnis historischer Veränderungen. Die Menschen gestalten fortwährend ihre Umwelt. Sie prägen mit ihren technischen Möglichkeiten seit Jahrtausenden die Natur: Mensch, Natur, Technik, diese drei Begriffe sind Motto der EXPO 2000. Diese drei Begriffe stehen nicht für statische Zustände, sondern für Dynamik, für raschen Wandel oder langwährende Prozesse. Mensch, Natur, Technik sind daher gleichsam Synonyme für Umweltgeschichte.
In den letzten beiden Jahrzehnten hat sich die Umweltgeschichte als ein eigenständiger Zweig der Geschichtswissenschaft etabliert. Das Themenspektrum reicht von der Umgestaltung der Kulturlandschaft durch die Menschen über die Verschmutzungsdebatten bis zu Problemen der Neunutzung von Industrieflächen. Um die Lösung umweltgeschichtlicher Fragestellungen bemühen sich die verschiedensten historischen Fächer, Archäologie beispielsweise ebenso wie die historische Anthropologie. Methodenvielfalt ist daher ein Charakteristikum der Umweltgeschichte. Darüber hinaus werden offensichtlich in größerem Umfang als in anderen historischen Arbeitsgebieten Verknüpfungen zwischen wissenschaftlicher Forschung sowie aktuellen Anwendungen in Politik, Kultur und Planung hergestellt.
Der Arbeitskreis Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen traf sich am 8. November 1997 und am 7. März 1998, um über Themen der Umweltgeschichte in Niedersachsen und angrenzenden Gebieten zu diskutieren. Der fachliche Teil der Zusammenkünfte wurde von Carl-Hans Hauptmeyer geleitet. Die Einstiegsreferate hielten Prof. Dr. Dr. Franz-Josef Brüggemeier (damals Hannover, jetzt Freiburg) zu "Stand und Aufgaben der Umweltgeschichtsforschung" und Prof. Dr. Ernst Schubert (Göttingen) zu "Aspekten der mittelalterlichen Umweltgeschichtsforschung". Dieser nun vorgelegte Band gibt im wesentlichen die den beiden Eröffnungsbeiträgen folgenden Vorträge wieder.
In Einzelfällen blieb die knappe Fassung des ursprünglichen Referates erhalten, in anderen Fällen schien es den Autoren ratsam, den Vortragstext zu erweitern. Die nun publizierten Manuskripte wurden bereits im Jahr 1998 fertiggestellt; nur in Ausnahmefällen war es möglich, vor der Drucklegung noch kleinere Ergänzungen hinzuzufügen. Etliche der Autorinnen und Autoren haben mittlerweile ihre umweltgeschichtlichen Forschungen vertiefen und erweitern können. Wir sind allerdings der Ansicht, daß die Beiträge keinesfalls an Aktualität verloren haben, und hoffen, daß sie einen neuen Anstoß zu umweltgeschichtlichen Forschungen nicht zuletzt in Niedersachsen liefern können. Zugleich danken wir den Autorinnen und Autoren für die Geduld.
Die vom Niedersächsischen Institut für Historische Regionalforschung e. V. in Kooperation mit dem Kommunalverband Großraum Hannover herausgegebenen Materialien zur Regionalgeschichte wollen eine Lücke schließen zwischen wissenschaftlichen landes- und regionalhistorischen Reihen auf der einen Seite, in denen universitäre Qualifikationsschriften, wissenschaftliche Einzeluntersuchungen und Tagungsbände erscheinen, und populärwissenschaftlichen Reihen auf der anderen Seite, in denen die Heimatgeschichte oder methodische Handreichungen im Mittelpunkt stehen. Diese "Zwischenposition" der Reihe drückt sich in diesem Band darin aus, daß nicht nur im engen Sinne geschichtswissenschaftliche Texte publiziert werden, sondern auch Beiträge, die sich im Spannungverhältnis von Mensch, Natur und Technik mit der Anwendung von geschichtswissenschaftlichen Erkenntnissen in aktueller Politik und Planung befassen. Ein weiterer Band, der sich der Geschichte des Bergbaus in der Region Hannover widmet, ist in Vorbereitung.
Hannover, im Dezember 1999
Siegfried Frohner
Kommunalverband Großraum Hannover
Carl-Hans Hauptmeyer
Niedersächsisches Institut für Historische Regionalforschung e. V.